Mittwoch, 11. Februar 2009

Droge vs. Luft

Mein Professor stellte uns in den letzten Seminarwochen eine Frage, sind Beziehungen glücklicher, die aus einer Freundschaft entstehen? Ist unser bester Freund/Freundin der bessere Partner? Warum wählen wir nicht unseren besten Freund als Partner?
Ich habe viel über diese Fragen nachgedacht. Das Thema ist nicht neu und doch gerade in der Forschung aktuell.
Ich versuchte es aus allen Blickwinkeln zu betrachten und meine Erklärung ist nicht gerade wissenschaftlich! Es sind Gedanken und ich hoffe ihr könnt mir folgen, ich hole weit aus, weil das Thema so komplex ist!
Ich bin zu einem Standpunkt gekommen, der mir zumindest einleuchtend erscheint. Was nicht heißt, dass dies für andere auch der Fall sein muss.
Es gibt wissenschaftliche Überlegungen, die Ähnlichkeit usw. als Ursache aufzeigen oder das man weiß, auf wen man sich da einlässt.
Ich denke, wenn Paare lang genug zusammen sind, kennen sie sich genauso gut wie beste Freunde und viele Partner sind sich ähnlich.Weshalb das für mich nicht schlüssig ist und wenn überhaupt der Freund-Faktor nur in Anfängen der Beziehung eine Rolle spielen sollte.

Ich überlegte, wann dieses Thema schon aufgegriffen wurde und mir fielen zwei Filme ein: "Die Hochzeit meines besten Freundes" und "Verliebt in die Braut". In beiden verliebt sich der beste Freund/die beste Freundin in den nun verlobten besten Freund. Bei beiden geht es unterschiedlich aus, der eine findet sein Glück im besten Freund, der andere nicht wegen eines Dritten.
Ich glaube diese Dreiecksbeziehungen sind der Schlüssel zum Ganzen. Aber ich greife vor.

Wie sieht es in der Literatur aus? Die bekannteste Dreicksgeschichte ist wohl die zwischen Romeo, Julia und Paris. Paris war wohl der bessere, nicht so wankelmütig wie Romeo, der so viele Frauen zuvor "geliebt" hat! Er war der, der zur Familie gehörte, der Julia die Sterne vom Himmel holen wollte. Wollte, aber nicht konnte. Denn Julia hatte nur Augen für ihren Romeo!
Ich erinnerte mich weiter und natürlich fiel mir Twilight ein. Und auch hier wieder eine Dreiecksgeschichte. Bella, Edward und Jacob. Bella, die Edward liebt und doch von ihm verlassen wird - aus Liebe! Sie zerbricht und Jacob flickt sie wieder zusammen.

Es endet wie in der Mehrheit der Fälle, sie entscheidet sich für Edward. Die Liebe für Jacob ist nicht genug! Aber warum?
Es ist so leicht mit seinem besten Freud zusammen und glücklich zu sein, seine Hand zu halten oder ihn zu umarmen -das natürlichste auf der Welt! Er kennt dich besser und schneller als jeder andere. Er weiß sofort, was du denkst. Ohne große Mühe dich lange kennen zu lernen. Alles ist eine Leichtigkeit. Unser Glück könnte so leicht sein.
Es ist so natürlich wie atmen. Und doch entscheiden sich Bella und Julia für die Droge, die sie so glücklich macht. Mir gefällt dieser Vergleich von Stephenie Meyer, es gibt kein passenderes Bild für diese Art von Beziehungen Droge vs. Luft!

Es liegt wohl daran, dass unsere Welt nicht nur schwarz oder weiß gibt. Es ist verzwickt. Wäre die Welt so leicht, wir würden unseren besten Freund wählen.
Doch so ist es nicht! Denn obwohl der beste Freund manchmal der bessere Mann ist, das Perfekte, ist er eben nicht der perfekte Mann für einen selbst.
Denn wenn wir es leicht wollten, würden wir dem Anderen nicht verfallen! Wir würden auf Nummer sicher gehen und den wählen, auf den wir zählen können. Unsere treuen besten Freund. Äußerst adaptiv könnte man meinen. In Bezug auf Kinder und Versorgung, rein evolutionär betrachtet. Aber auch sehr einseitig, keine Vielfalt, keine neuen Entwicklungen, die uns einen Selektionvorteil erweisen könnten.
Macht das unsere Wahl aus, der Reiz des Neuen und des Unbekannten?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn wir uns erstmal für den anderen entschieden haben, ist es egal was er tut, man liebt ihn -kompromisslos!
In der Literatur ist es genauso. Julia vergisst all die anderen Frauen vor ihr und vertraut darauf, dass der wankelmütige Romeo nicht ihr Herz bricht. Bella verzeiht Edward, dass er sie verlassen hat!

Aber durch diese Wahl gibt man seinen besten Freund auf und nun bekommt das eigene Glück durch diese Dreiecksbeziehung einen faden Beigeschmack, denn der beste Freund passt nicht mehr Recht ins Bild.
In keinem Märchen wird der treue Freund erwähnt, nur die beiden leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Wahrscheinlich war er nie glücklich! Und ich muss sagen, der beste Freund zu sein, ist ein undankbarer Job! Man sieht zu wie der/die Andere für sie/ihn nicht gut genug ist und doch bleibt er/sie bedingungslos bei ihr. Man leidet wie ein Hund! Dabei könnte es doch so leicht sein wie atmen!

Also vereinfachen wir das Szenario: Was, wenn es den Dritten erst gar nicht geben würde -der, dessen Liebe nicht erwidert wird? Ganz egal, ob es der beste Freund wäre oder aus seiner Sicht, der Andere, der es zu verantworten hat, dass man nicht zusammen sein kann!
Was wäre die Welt leicht! Es wäre wie im Märchen.

Wie gesagt ich denke, der Schlüssel liegt in den Dreiecksbeziehungen!
Wir wählen unseren besten Freund nicht, weil oft ein Anderer dazwischen funkt. Der vielleicht so anders und neu ist, dass es aufregender und leidenschaftlicher ist, mit ihm zusammen zu sein.
Und Pärchen, die aus Freundschaften entstehen?
Wenn diese Beziehungen erst entstehen könnten, vielleicht wären sie dann auch glücklicher, denn sie brauchen nicht an jemanden zu denken, der ihretwegen leiden musste! Es gab ja keinen anderen! Es gab nie eine Wahl zwischen Droge und Luft!
Wir anderen, die die Wahl haben, müssen wohl diesen faden Beigeschmack ertragen bis wir irgendwann habituieren. Und vielleicht macht uns das bis dahin ein wenig unglücklicher.

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